M.RICHI / CC-BY-NC-2.0

In Frankreich sollen nach Angaben von Radio Vatikan am 15. August 2015 um 12 Uhr mittags die Glocken als Zeichen der Solidarität mit den Christen im Nahen Osten und denen, „die um ihres Glaubens willen verfolgt werden“, läuten. Die französischen Bischöfe haben dazu eingeladen, dass sich die Gläubigen während des Geläuts auf den Vorplätzen vor den Kirchen treffen, um dort still für die verfolgten Glaubensgeschwister zu beten. Zur Aktion hat der Erzbischof von Avignon, Jean-Pierre Cattenoz, erklärt, dass sie „ein Zeichen des Gebets, des Glaubens und des Friedens“ sein soll. Die katholischen Christen in Frankreich haben den 15. August für die Aktion bestimmt. An diesem Tag feiern Katholiken das Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel. Der Tag wurde gewählt, „weil man sich an Maria wendet, wenn die Dinge schlecht laufen“.

Vor Kurzem hatte katholisch.de berichtet, dass Papst Franziskus das Schweigen der Welt angesichts der weltweiten Gewalt gegen Christen, vor allem gegen Glaubensgeschwister im Nahen Osten, verurteilt. In einem Brief bezeichnete das Oberhaupt der Katholischen Kirche die christlichen Opfer von Terror und Vertreibung als „Märtyrer von heute“.

Erst am Sonntag hat in der Steiermark ein Pfarrer eine fremdenfeindliche Demonstration einer rechtsgerichteten Gruppierung in seinem Ort „niedergeläutet“. Der couragierte Geistliche wollte verschiedenen Medienberichten zufolge „ein Zeichen gegen Menschenhass und Intoleranz“ setzen. Gegen die Wucht des Glockengeläuts der insgesamt fünf Kirchenglocken konnten sich die rund 50 Parolenskandierer, die gegen die Aufnahme von Asylsuchenden demonstrierten, nicht behaupten und räumten schließlich das Feld.

Der Einsatz von Glocken als himmlische Sturmgeschütze gegen rechte Gesinnung und als Wachrüttler für Solidarität ist derzeit populär. Auf der Internetseite CitizenGO rufen Initiatoren zu einer Petition auf. Die Petition soll sich an die Deutsche Katholische Bischofskonferenz und die Bischöfe der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) richten und fordert dazu auf, am 29. August durch gemeinsames Glockenläuten ein ökumenisches Zeichen der Solidarität mit den Christen im Nahen Osten zu setzen. An diesem Tag gedenken evangelische, katholische, anglikanische, orthodoxe und armenische Christen gemeinsam der Enthauptung Johannes des Täufers. Unterstützer können sich noch bis zum 16. August an der Online-Petition beteiligen.

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Ulk-Religion muss GEZ-Gebühren zahlen

by J. Weil on 23. Juli 2015

Michael Wladarsch möchte mit seiner Ulk-Religion „Fliegendes Spaghetti-Monster“ keine Gebühren für öffentlich-rechtliche Sender bezahlen. In dem Vertrag zu GEZ-Gebühren ist geregelt, dass auf „Betriebsstätten, die gottesdienstlichen Zwecken gewidmet sind“ keine Gebühren entfallen. Damit ist er vor dem Münchener Verwaltungsgericht gescheitert.

Eigenes Werk : Wikipedia

Michael Wladarsch ist Vorsitzender der Münchener Sektion des Bundes für Geistesfreiheit (BfG). Er möchte die Frage der Rundfunkgebühren durch alle Instanzen klagen. Wladarsch verehrt die Gottheit des „fliegenden Spaghettimonsters“, eine Ulk-Religion, die von Religionskritikern erfunden wurde. Weil Wladarsch seine berufliche Tätigkeit auch der Huldigung der „Spaghetti-Gottheit“ ausübe, will er sein Büro vom Rundfunkbeitrag befreien lassen. Das Gericht solle deshalb definieren, was unter „gottesdienstlichen Zwecken“ genau zu verstehen sei.

Um den Rundfunkbeitrag geht es bei dem Streit nur in zweiter Linie. Wladarsch will den „unpräzisen Begriff“ der Gottheit auf den Prüfstand gestellt wissen. Der Kläger hinterfragt damit auch die Privilegien für Kirchen. Der BfG ist genau wie katholische und die evangelische Kirche eine Körperschaft des öffentlichen Rechtes. Deren Anhänger setzen sich für eine Trennung von Staat und Kirche ein.

Keine ernsthafte religiöse Substanz

Das Verwaltungsgericht München hat am Mittwoch die Klage abgewiesen. Für den beklagten Bayerischen Rundfunk handele es sich bei dem Grafikbüro um normale Betriebsräume. Diese Ansicht vertrat auch das Gericht: Die Religion, die auf den amerikanischen Physiker Bobby Henderson zurückgeht, war häufiger in den Schlagzeilen. Henderson hatte sie 2005 als satirische Antwort auf christliche „Kreationisten“ gegründet, die die Evolutionstheorie ablehnen.

Ihre Anhänger nennen sich „Pastafari“: einem Mischwort aus Pasta und Rastafari-Glauben der Jamaikaner. In Österreich hat ein Pastafari erreicht, dass ein Foto, bei dem er einen Nudelsieb auf dem Kopf als religiöse Kopfbedeckung trägt, für den Führerschein akzeptiert wurde. In Brandenburg haben deren Anhänger das Land verklagt. In Templin wollten sie mit einem Straßenschild ihre wöchentliche „Nudelmesse“ bewerben. Dies ist allerdings bis zu einer juristischen Entscheidung nicht an den Masten möglich, an denen die beiden Großkirchen werben. Die brandenburgische Landesregierung sieht in der „Spaghettimonster-Kirche“ keine Kirche mit ernsthafter „religiöse Substanz“.

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Die Bibel lebt

by paparazzi on 22. Juli 2015


Blick in den Bibelgarten von Ulla Hönsch.
Foto: Ulla Hönsch

Eine besondere Art der Erlebnispädagogik praktiziert die Düsseldorferin Ulla Hönsch in ihrem privaten „Bibelgarten“. Hier laden 64 Pflanzen aus dem Buch der Bücher ein zum Riechen, Fühlen, Schmecken und zum Eintauchen in eine jahrtausendealte, fremde Kultur. Diesen besonderen sinnlichen Zugang zu biblischen Geschichten möchte die Rentnerin Menschen in ihrer Umgebung ermöglichen. Deshalb öffnet sie ihren Garten ab und zu auch für Besucher und stößt dabei auf große Resonanz.

In ihren Erlebnisführungen erzählt sie die Geschichten zu ihren Pflanzen. Der Johannisbrotbaum zum Beispiel diente mit seinen Früchten schon den Schweinen im Gleichnis vom verlorenen Sohn als Futter und speiste Johannes den Täufer in der Wüste. Heute wird aus den Früchten das Verdickungsmittel Carubin gewonnen, unter anderem zur Herstellung von Joghurt. So schlägt die Hobbygärtnerin die Brücke zur Gegenwart und holt die alten biblischen Geschichten hinein in unsere Erlebniswelt. Der Duft von Myrrhe, der Geschmack von Datteln und Minztee, die Empfindung von Dornen auf der Haut machen jahrtausendealte Geschichten erfahrbar.

Ulla Hönsch möchte noch mehr Menschen inspirieren, einen Bibelgarten zu schaffen.
„Es würde mich sehr freuen, wenn ich die Idee des Bibelgartens hier in der Region weiterbringen könnte“, erklärt sie. Eine Kirchengemeinde hat bereits Kontakt zu ihr aufgenommen, um mit ihrer fachkundigen Hilfe einen Bibelgarten für die Kindertagesstätte der Gemeinde anzulegen. Eine weitere Kirchengemeinde hat ihr Interesse angemeldet und einen Besichtigungstermin mit ihr ausgemacht. Für Ulla Hönsch ist die Öffnung ihres Gartens und die Verbreitung ihrer Idee eine Möglichkeit, ihre Talente für andere einzusetzen. Dass dies gelungen ist, zeigt sich an den vielen Interessenten und dankbaren Besuchern.

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Glaube kann teuer werden

by Schäfer on 16. Juli 2015

Der italienische Fußballer Luca Toni hat Stress mit dem deutschen Fiskus (Bild: http://www.postproduktie.nl | CC BY 2.5)

Luca Toni (Bild: http://www.postproduktie.nl | CC BY 2.5)

Der italienische Fußballprofi Luca Toni ist gezwungenermaßen für kurze Zeit an seine alte Wirkungsstätte München zurückgekehrt. Vor dem Oberlandesgericht in München soll nach Angaben des Fußballmagazins Kicker geklärt werden, ob Toni für die Forderung des Fiskus in Höhe von rund 1,7 Millionen Euro nicht gezahlter Kirchensteuer aufkommen muss.
Bei dem Gerangel um die ausstehende Kirchensteuer argumentiert Toni, dass er mit dem Fußballverein FC Bayern München seinerzeit einen „Netto-Vertrag“ abgeschlossen habe. Zudem findet er: „Wenn jemand an Gott glaubt, dann muss er nicht die Kirche bezahlen.“ Der Verein sollte sich seiner Auffassung nach um alle steuerlichen Belange kümmern.

Theologisch mag er damit Recht haben, aus steuerlichen Gesichtspunkten höchstwahrscheinlich nicht.
Als die Verträge zwischen dem Spieler und dem Verein abgeschlossen wurden, ließ man dem Bericht von Kicker zufolge die Angabe über die Religionszugehörigkeit offen. Was im Einzelnen in dem Vertrag geregelt und festgehalten wurde? „Keine Ahnung, ich habe das nicht angeschaut, nur unterschrieben. Ich wollte schnell raus, Fußballspielen“, sagte Toni vor Gericht.
Tonis neuer Steuerberater änderte dann den Status der Religionszugehörigkeit 2008, der Fußballer wurde damit steuerlich gesehen „römisch-katholisch“ und so faktisch kirchensteuerpflichtig. Die Höhe der Kirchensteuer richtet sich in Deutschland nach der Höhe der Lohnsteuer und dem jeweiligen Bundesland. Bayern erhebt einen Hebesatz für die Kirchensteuer von 8 Prozent. Alle Zahlungen an den Fußballer berücksichtigt, kam so das Sümmchen von 1,7 Millionen Euro Steuerschuld zustande.

Der Fußballer will die Forderungen des Finanzamtes erstmal nicht bezahlen. Das Gericht in München muss nun klären wer Schuld daran trägt, dass Toni aus amtlicher Sicht Katholik wurde und ab wann dem Fußballer klar war, dass er in Deutschland zur Zahlung von Kirchensteuer verpflichtet ist. Einem Vergleich vor Gericht verweigerte sich der ehemalige Arbeitgeber, der FC Bayern München. Demnach hätte sich auf Vorschlag des Gerichts bei gegenseitigem Nachgeben in der Streitigkeit die Zahlung der Summe auf 700.000 Euro für Toni, 500.000 Euro für Bayern und 500.000 Euro für den früheren Steuerberater von Toni, verteilt. Weil Toni jedoch mit dem Aufhebungsvertrag auf alle Ansprüche gegen den Verein verzichtet hat, will der ehemalige Arbeitgeber die Steuerschuld seines früheren Torjägers nicht anteilig übernehmen.

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Forschen wie Gott in Dänemark

by Schumacher on 10. Juli 2015

Der neue Bildungs- und Forschungsminister in Dänemark ist ausgebildeter Theologe. Der Katholik Esben Lunde Larsen ist seit dem 18. Juni 2015 Minister und sorgt derzeit für eine heftige Debatte in unserem nördlichen Nachbarland.

Larsen hatte es gewagt zu behaupten, dass er die Schöpfung des Alls durch Gott für möglich halte. Der Politiker der liberalen Partei meinte in einem Interview, Forschung und Religion müssten sich nicht ausschließen. Darüber berichtet der öffentliche Rundfunk Dänemarks.

Die Hexenjagd läuft aber noch nicht so rund. Denn es lässt sich nicht eindeutig sagen, ob Larsen nun glaubt, dass der Mensch vom Affen abstammt oder von Adam und Eva. Die Theologie erhebe jedenfalls nicht den Anspruch, die Naturwissenschaft ersetzen zu können, sagte Larsen.

„Spiegel Online“ bemüht sich in der Satire-Rubrik „Spam“ dennoch wacker, die Tatsache so zu drehen, dass Larsen auf jeden Fall fällig ist. Larsen glaube nicht nur, dass Gott das All durch einen „Big Bang“ erschaffen habe, sondern dreht den Gedanken noch etwas weiter:

In diesem „Big Bang“ seien dann bereits alle weiteren Entwicklungen enthalten gewesen. So hatte Gott zum Beispiel schon immer vor, die Satirerubrik SPAM zu gründen. Gut möglich, dass er nur aus diesem Grund den „Big Bang“ überhaupt durchgezogen hat (Danksagungen bitte auf unserer Facebook-Seite hinterlassen).

Ob Larsen wirklich genau das gesagt hat, ist schwer nachvollziehbar. Kann jemand von unseren Lesern Dänisch?

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Wrestling-Weltmeister Billy Graham

by J. Weil on 3. Juli 2015

Mit bürgerlichem Namen heißt er Eldridge Wayne Coleman. In seiner Zeit als Profi-Wrestler trat er unter dem Namen „Superstar“ Billy Graham auf. Unter diesem Namen war er von 1977 bis 1978 sogar Weltmeister der Wrestling-Vereinigung WWF.

Der spätere kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger zählte zu seinen Trainingspartnern und ist Pate seiner Tochter. Als Wrestler war er maßgeblich an der Professionalisierung seiner Sportart beteiligt. Er wurde als Kind einer Arbeiterfamilie 1943 in Phoenix (Arizona) geboren.

Neben dem Sport prägte auch der christliche Glaube seine jungen Jahre. Als Heranwachsender trat er auch als Prediger auf. Der Football-Spieler und Bodybuilder entschied er sich für eine Karriere als Profi-Wrestler. Er wechselte seinen bürgerlichen Namen gegen den des berühmten Evangelisten Billy Graham. Damit wollte er dessen Leistung anerkennen. Den Zusatz „Superstar“ entlieh er dem damals immens populären Musical „Jesus Christ Superstar“.

Charismatische Art machte ihn zum Publikumsmagneten

Er nutzte den Ruhm seines Erfolges als Bodybuilder, um junge Leute dazu zu bringen, aus seinem Mund Gottes Wort zu lauschen. Seine zunehmende Popularität verhalft ihm 1971 auf das Titelbild eines Wrestling-Magazins. Vier Jahre später wechselte er in die World Wide Wrestling Federation (WWWF). Dort feierte Graham am 30. April 1977 seinen größten Erfolg, als er in Baltimore den Weltmeister-Titel gewann und neun Monate lang verteidigte und Publikumsmagnet war.

Doch es gibt auch die andere Seite des Sportlers Graham: Blutige Auseinandersetzungen mit dem damaligen Publikumsliebling Sammartino, Drogenmissbrauch, Einnahme der damals noch legalen Steroide und illegale Kampfaktionen. Mittlerweile ist er ein engagierter Vorkämpfer gegen den Stereoid-Missbrauch.

Zahlreiche juristische Auseinandersetzungen

Nach seiner aktiven Karriere arbeitete er als WWF-Kommentator und trat auch als Schauspieler auf. 2004 wurde er in die „Hall of Fame“ des Wrestling aufgenommen. Der Sport ruinierte aber auch seinen Körper. Ihn plagten Hüft- und Wirbelsäulenprobleme, und seine Leber wurde transplantiert. Nach dem Verlust der Arbeitsstelle wurde Graham depressiv und hatte große finanzielle Probleme.

Es kam zu juristischen Auseinandersetzungen mit Pharmafirmen und Wrestling-Verbänden, die er für seinen körperlichen Niedergang mit verantwortlich machte. Dass er nicht völlig abstürzte, dafür sorgte sein wieder gefundener Glaube, den er während nach seiner Wrestlingkarriere eher vernachlässigt hatte: Er hatte mehrere Scheidungen hinter sich und zwei Kinder gezeugt, um die er sich nicht kümmerte.

In den Neunzigern begann er, erneut zu predigen und Gottesdienste auszurichten. Er führte auch die Beerdigung seines Sportlerkollegen Eddie Guerrero durch. Graham ist aktuell mit Valerie verheiratet. 2006 brachte er eine Autobiografie mit dem Titel Tangled Ropes und später auch eine DVD über seine Karriere heraus.

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Facebook ist katholisch, Twitter evangelisch

by Schumacher on 9. Juni 2015

Eine steile These stellt der katholische Priester Alexander Lucie-Smith im Magazin „Catholic Herald“ auf: Facebook sei katholisch, Twitter protestantisch. Wie kommt er zu dieser Aussage?

Der Autor ist Doktor der Moraltheologie und Autor für den „Catholic Herald“. Sein Text, der zuerst am 22. Mai 2015 in der gedruckten Version des „Catholic Herald magazine“ erschien, und nun online, greift ein altes Zitat des bekannten italienischen Schriftstellers Umberto Eco auf. Ecco schrieb 1994 für das Magazin „L’Espresso“ einen Artikel darüber, dass Macintosh-Computer irgendwie katholisch seien und das Betriebssystem DOS protestantisch.

Der Text entstand sozusagen im Mittelalter der Computertechnologie, als das Betriebssystem DOS noch mit Kommandoeingaben über die Tastatur funktionierte und ein Mac bereits mit einer Maus und über eine grafische Oberfläche bedient werden konnte. Der Macintosh sei „fröhlich, freundlich, versöhnlich“, schrieb Ecco. „Er sagt dem Gläubigen, was er als nächstes tun sollte, um – wenn schon nicht das Himmelreich – dann jedenfalls den Moment zu erreichen, an dem er sein Dokument ausdruckt.“ Denn: „Jeder hat ein Recht auf Erlösung.“

DOS hingegen sei protestantisch, wenn nicht gar Calvinistisch. „Es erlaubt die freie Interpretation der Schrift, verlangt schwierige persönliche Entscheidungen und setzt als Tatsache voraus, dass nicht jeder die Erlösung erlangen kann.“

„Twitter ist für Prediger“

Lucie-Smith überträgt den Vergleich Eccos auf die beiden großen Sozialen Netzwerke Facebook und Twitter. „Twitter ist ein wunderbares Werkzeug für Menschen, die ihren Followern gerne predigen.“ Auch wenn jemand bei Twitter viele Follower habe, so bedeute das nicht, dass diese Menschen eine homogene Gruppe bildeten. „Ich zum Beispiel folge Richard Dawkins, aber ich bezweifle, dass ich viel mit den restlichen 1,17 Millionen Followern gemeinsam habe.“ Das meiste, was aus diesem Lager komme, seien Provokationen und Beleidigungen gegen den Feind. Für einen Dialog sei Twitter nicht geschaffen.

„Die Polemiken auf Twitter erinnern mich an Martin Luther, der, geschützt vom Kurfürsten, schleuderte dem Papst einige Beleidigungen entgegen. Viele Twitter-Nutzer sind anonym, was ihnen erlaubt, anonym andere anzugreifen“, schreibt Lucie-Smith.

Auch gebe es bei Twitter keine Hierarchie. Autorität entstehe nur, wenn es einem gelinge, einen „Kult“ um einen selbst zu erzeugen. Das funktioniere am besten, wenn man mit Leidenschaft die eigene Botschaft verbreite. „Das ist sehr protestantisch“, schreibt Lucie-Smith.

Twitter das falsche Medium für den Papst

Der Priester fragt: Ist Twitter wirklich das richtige Medium für den Papst? Man könne bei einzelnen Tweets ja die Meinungen der anderen User abschauen. „Es dient Deinem Besten, wenn Du das nicht tust“, schreibt der Katholik.

Während Twitter davon lebe, dass man Anhänger suche, gründe Facebook auf der Idee der Vernetzung. „Menschen, die Dir auf Twitter folgen, sind Fremde; Freunde bei Facebook sind Menschen, die Du kennst, jedenfalls theoretisch.“ Der Theologe vergleicht Facebook mit einer Cocktail-Party, und man selbst sei der Gastgeber. Man will nette Leute treffen und auf jeden Fall Kontroversen vermeiden. „Twitter spricht zur Masse; Facebook ist eine Gemeinschaft – und das deswegen ist meines Erachtens Facebook katholisch.“

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Raus bist Du noch lange nicht

by J. Weil on 8. Juni 2015

Arbeiten auch Kirchenmitglieder bei der links-alternativen Tageszeitung taz? In ihrer Kolumne berichtet taz-Journalistin Barbara Oertel über ihr eher „unfreiwilliges Coming-out“. Die Kirchensteuerstelle Neukölln hatte sie „jahrelang schlichtweg vergessen und nicht einmal als Karteileiche geführt“. Beim Anruf im Lohnbüro ihres Arbeitgebers habe sie bestätigt, dass sie Kirchensteuer zahle und dass eine Änderung auf dem Lohnzettel notwendig sei.

Nicht viel zu lachen

Das Schweigen am anderen Ende der Leitung habe sie für sich als ein „Es gibt sie also auch bei uns, diese Irren, die freiwillig einem christlichen Club angehören und dafür auch noch bezahlen“, gedeutet. Dass sie monatlich 27,50 Euro entrichte und Mitglied der Kirche sei, werde in der Redaktion zum Teil mit Argwohn und mit despektierlichen Bemerkungen wahrgenommen.

Protestanten und Katholiken müssten immer wieder Hohn und Spott ertragen, mit teils sehr platten Witzen. 1996 bezeichnete die Zeitung wegen des Kruxifix-Urteils des Bundesverfassungsgerichtes den Gekreuzigten als „Balken-Sepp“. Der Presserat missbilligte dies. „Dabei hat das Blatt doch ein Herz für Minderheiten aller Art, für die Mühseligen und Beladenen dieser Welt“, schreibt die Kolumnistin.

Immer mal wieder komme sie auch mit Kollegen über den Glauben ins Gespräch. Für Oertel selbst hat der Brief keine finanziellen Konsequenzen. „Anstatt eines satten Nachzahlungsbescheids kam nur ein kurzes Schreiben: Hiermit freuen wir uns, Sie als Mitglied unserer Gemeinde begrüßen zu können.“ Barbara Oertel ist seit 1995 Osteuropa-Redakteurin der taz und seit 2011 eine der beiden Chefs der Auslandsredaktion. Sie hat Slawistik und Politikwissenschaft in Hamburg, Paris und St. Petersburg sowie Medien und interkulturelle Kommunikation in Frankfurt/Oder und Sofia studiert.

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Lindsay Lohan zeigt sich mit Koran

by Daniel Frick on 15. Mai 2015

Nachdem ein Fotograf die US-Schauspielerin Lindsay Lohan Anfang dieser Woche mit einem Koran in der Hand in New York fotografiert hat, spekulieren Medien über deren Übertritt zum Islam. Bereits Anfang des Jahres hatte die 28-Jährige ein Bild mit einem Koran-Vers auf Instagramm verbreitet, das Bild dann aber wieder gelöscht.

Ein Sprecher Lohans sagte gegenüber der britischen Zeitung „Independent“ jedoch, Lohan erwäge nicht, dem Islam beizutreten. „Aber ich weiß, dass sie zuletzt großes Interesse an der arabischen Kultur entwickelt hat.“ Derzeit lerne sie Arabisch.

Im vergangenen Jahr bezeichnete sich Lohan, die in einem katholischen Elternhaus aufgewachsen ist, in einer Dokumentation gegenüber der amerikanischen Moderatorin Oprah Winfrey als „sehr spirituellen Menschen“. Dabei sagte sie auch, sie stehe in Kontakt mit höheren Mächten. „Ich bin gesegnet und glücklich, ein Geschenk erhalten zu haben, das ich mit anderen teilen kann.“

In der Vergangenheit hatte sie Interesse an verschiedenen Glaubensrichtungen gezeigt: 2004 war sie mit einem Kabbala-Armband zu sehen, das sie vor Unglück bewahren sollte. Im Jahr 2012 soll sie einer buddhistischen Gesangsgruppe beigetreten sein.

Lohan ist um die Jahrtausendwende als Schauspielerin in Disney-Filmen wie „Das doppelte Lottchen“ bekannt geworden. Den endgültigen Durchbruch feierte sie mit der Kinokomödie „Freaky Friday“ im Jahr 2003. Seit dem Jahr 2006 fiel Lohan regelmäßig mit Alkohol- und Drogenproblemen auf und wurde in diesem Zusammenhang mehrmals gerichtlich verurteilt. Zurzeit leistet sie in einer New Yorker Kindertagesstätte Sozialstunden ab, nachdem sie ein Gericht wegen eines Autounfalls im Jahr 2012 für schuldig befunden hatte.

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Bibelverse im Fastfood-Restaurant

by Schumacher on 17. April 2015

Wer den Kultfilm „The Big Lebowski“ gesehen hat, dem ist die Fastfood-Kette „In-N-Out“ schon begegnet: „Da gibt’s gute Burger“, sagt Donny in einer Szene, und Walter Sobchak antwortet mit einem obligatorischen „Shut the fuck up, Donny!“

In-N-Out Burger” ist eine der bekannteren Fastfood-Ketten in den USA. Viele hierzulande wissen gar nicht, dass die Betreiber der Kette gläubige Christen sind und sogar auf ihre Becher Bibelverse drucken. So kann es sein, dass der Kunde am unteren äußeren Teil seines Bechers den Aufdruck „John 3:16“ entdeckt, ein Hinweis auf Johannes 3,16 („Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.)

tobesfo (flickr) CC BY-NC-SA tobesfo (flickr) CC BY-NC-SA

 

Bei der jährlichen Umfrage „Consumer Picks“ des Branchenmagazins „Nation’s Restaurant News“ hat die In-N-Out Burgerkette nun zum dritten Mal in Folge den ersten Platz bei der Kundenzufriedenheit in der Kategorie „limited service“ eingenommen. „Limited service“ bedeutet hierbei, dass der Kunde an der Theke bezahlt und sein Essen mit an einen Tisch nimmt.

In dem Ranking sind 172 Restaurantketten aufgelistet. Online haben Testteilnehmer 42.196 Umfragebögen ausgefüllt. Sie bewerteten Essensqualität, Sauberkeit und die Atmosphäre der Filialen. In-N-Out erreichte mit 71,9 Prozent den ersten Platz. Anderen bekannten Ketten in den USA erging es da schlechter. McDonalds etwa landete auf Platz 110. Noch eine andere amerikanische Fastfood-Kette ist bekannt dafür, dass die Besitzer gläubige Christen sind: Chick-fil-A. Diese Kette landete in dem Ranking auf Platz 5.

Die in Kalifornien ansässige Kette In-N-Out wurde 1948 von Harry und Esther Snyder in Baldwin Park, Kalifornien, gegründet und ist auch heute noch ein Familienunternehmen. Inzwischen hat sie Filialen in 300 Orten in den Bundesstaaten Kalifornien, Arizona, Nevada, Utah und Texas.

Im Jahr 1980 begann der damalige Firmenchef Rich Snyder damit, Bibelverse auf die Becher zu drucken. Damit wollte er die christliche Überzeugung der Unternehmensfamilie zum Ausdruck bringen und die Kunden zum Bibellesen ermutigen.

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