Was beabsichtigen die so genannten neuen Atheisten eigentlich? Auf diese Frage gibt der Pressesprecher der Buskampagne einige Antworten. Auf Bussen wollen die Initiatoren atheistische Slogans drucken lassen.
Die “linke Wochenzeitung” “Jungle World” hat Möller interviewt.
Er ärgere sich darüber, wenn in religiöser Werbung behauptet wird, es gäbe ohne Gott keine Werte. Er habe eine Zeit lang in Ingolstadt gelebt, “da bekommt man ständig irgendwelche Jesus-Flyer in die Hand gedrückt, irgendwann nervt das”.
“Wir wollen klarstellen, dass man auch ohne den Glauben an eine übernatürliche Kraft ein erfülltes Leben führen kann und sich auch ethisch oder moralisch vertretbar seinen Mitmenschen gegenüber verhalten kann. Und in zweiter Linie wollen wir den Leuten, die schon so denken wie wir – die also konfessionslos sind, Atheisten, Agnostiker oder Skeptiker sind –, zeigen, dass sie nicht allein sind und dass auch sie eine öffentliche Stimme haben.”
Auf die Frage, ob nicht mittlerweile auch der Atheismus eine religiöse Note bekommen habe, wenn er sich so sehr ans Missionieren mache, antwortet Möller, der sich selbst nicht Atheist nennen möche:
Wir haben diesen Missionierungsvorwurf jetzt schon häufiger gehört. Wir richten uns aber nicht an Christen, um diese zu missionieren. Wir wollen den Nicht-Religiösen eine Stimme geben, aber niemanden von seinem Glauben abbringen.
Natürlich kann man immer auch Säkularen vorwerfen, ihr Wissen sei letztlich auch nur Glaube. Im Unterschied zu religiösen Aussagen sind wissenschaftliche Aussagen aber falsifizierbar, kritisierbar und veränderbar. Bei Gottes Wort ist das nicht der Fall.
(…) Unser Ziel ist es nicht, gegen Religion an sich zu agieren. Wir möchten aber klarstellen, dass Religionsfreiheit eben auch die Freiheit ist, religionsfrei zu sein. Dieser Ansicht möchten wir mehr Gewicht verleihen.
Interessant ist die Antwort auf die Frage der Zeitung:
»Es gibt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Gott« heißt euer Slogan. Nick Spencer vom theologischen Think Tank Theos meinte dazu: »Wenn mir ein Pilot sagen würde, ›Der Flug nach Paris stürzt wahrscheinlich nicht ab‹, würde ich wohl den Zug nehmen.« Warum jene Einschränkung?
Wir machen diese Einschränkung, um uns nicht auf das argumentativ dünne Eis zu begeben, eine Aussage zu treffen, die man so gar nicht treffen kann. Wir würden uns nicht hinstellen und sagen: Es gibt keinen Gott. Denn Gott stellt einfach kein streitbares Konzept dar, weil man es nicht widerlegen kann. Deshalb finde ich den Spruch unserer Kampagne, »Es gibt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Gott«, gut – mit dieser Einschränkung ist er sozusagen auch wissenschaftlich und juristisch abgesegnet.
Ich nenne mich auch nicht Atheist, weil Atheisten unterstellt wird, dass sie etwas glauben, nämlich dass es keinen Gott gibt. Ich denke, dass die Frage, ob es Gott gibt oder nicht, überhaupt keinen Sinn ergibt. Wir haben aber auch andere Sprüche – »Gottlos glücklich« zum Beispiel, der eben sagt, dass man auch ohne Gott glücklich werden kann, und vor allem den Spruch »Gott ist eine Behauptung«.