Eine steile These vertreten laut dem Evangelischen Pressedienst (epd) einige Film-Experten, die am Mittwochabend an einem Podiumsgespräch der Universität Freiburg teilgenommen hatten: ohne die Tradition des Protestantismus sei das aktuelle Kino nicht denkbar.
Der Feuilletonchef der Wochenzeitung “Die Zeit“, Jens Jessen, sagte demnach, historische Entwicklungen in der Literatur wie der Übergang zur Klassik und zur Romantik sei in manchen katholisch geprägten Ländern “nicht gelaufen”. Mit Protestantismus werde eine “hochgezüchtete Innerlichkeit” und Bürgerlichkeit verbunden, so Jessen weiter. Beispielsweise Ironie “kann man sich nicht ohne Protestantismus vorstellen”.
Die Literaturwissenschaftlerin Margrit Frölich bezweifelte die Existenz eines protestantischen Films. Wenn es einen solchen gäbe, wäre er schlecht, so die Expertin. Frölich machte aber deutlich, dass die Kirche sich mit dem Film beschäftige und er ein Medium der Zeitdiagnose sei.
Filmkritiker Karsten Visarius vom Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik sagte, das christliche Verbot, sich ein Bildnis zu machen, habe Spuren im Film hinterlassen. In einem früheren Symposion habe ein Experte dargestellt, das Kino sei der “Triumph protestantischer Bilderstürmerei”, weil jedes neue Bild vom voraus gegangenen vernichtet werde.
{ 0 comments }