Im Magazin “Film-Dienst” ist ein Interview mit dem Filmwissenschaftler und Professor für Film- und Fernsehwissenschaften an der Universität von Amsterdam, Thomas Elsaesser, erschienen. Der Filmwissenschaftler sagt darin unter anderem:
Nicht zuletzt dank der Immersionseffekte des digitalen Kinos wird ein Film heute regelrecht in die Lebenswelt des Benutzers mit hinein genommen. Man will mit den Personen des Films leben, man will ihre Vorgeschichte wissen, man will das nachleben. Dieser Vereinnahmungsprozess ist äußerst interessant. Im Mittelalter lebten die Gläubigen mit den Heiligen auf Du und Du. Man ist morgens aufgestanden mit den Schutzheiligen neben sich. Mit denen hat man geredet, die waren im Raum, die waren im Alltag mit dabei. Nicht nur (im Kopf), auch physisch. Denken Sie an alle die Erscheinungen, die „Gesichte“, vor allem unter jungen Frauen – wie die Fans von heute. Jeanne d’Arc, das Mädchen von Lourdes. Es gab immer wieder solche Zeiten der Inkarnationen idealisierter Personifizierungen. Das, was früher also im religiösen Kult existierte, ist heute in jene mythischen und übernatürlichen Welten eingezogen, die das Kino uns gibt. Deshalb sage ich, dass das Kino nicht nur mit Vergnügen zu tun hat, sondern auch mit spirituellen Realitäten.
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