Warum lesen Sie diesen Text? Ist er kurz genug?
Wäre er länger – würden Sie ihn dann trotzdem lesen?
Auf kurze Texte beschränken sich die meisten Internet-Portale. Auf 160 Zeichen ist eine normale SMS beschränkt. Und beim “Micro-Blogging” müssen Gedanken in 140 zeichen gezwängt werden, bevor sie um die Welt gehen.
Schlimm ist das nicht. Aber verändert das “Fast Food”-Schreiben vielleicht unser Denken?
Der 1998 verstorbene deutsche Soziologe Niklas Luhmann bezeichnete die kulturellen Umbrüche, die von der Erfindung der Schrift, des Buchdrucks und der Computerkommunikation ausgegangen sind, als “Katastrophen” im mathematischen Sinne. Die moderne Computertechnik greift nach Ansicht von Luhmann die Autorität der Experten an. Denn mittlerweile hat praktisch jeder die Möglichkeit, die Aussagen von Wissenschaftlern, Journalisten, Unternehmern oder Politikern am eigenen Computer zu überprüfen.
So weit, so gut. Aber mit der Computerkommunikation wird die Eingabe von Daten und das Abrufen von Informationen soweit getrennt, dass keinerlei Identität mehr besteht, sagen Experten. Wer etwas eingibt, weiß nicht, was auf der anderen Seite entnommen wird. Die Autorität der Quelle wird entbehrlich, sie wird durch Technik annulliert. Ebenso entfällt die Möglichkeit, die Absicht einer Mitteilung zu erkennen und daraus Verdacht zu nähren oder sonstige Schlüsse zu ziehen, die zur Annahme oder Ablehnung der Kommunikation führen könnten. Mehr bei “Pressetext“.
“Die neuen Medien beeinflussen auch die Art, wie wir denken”, heißt es da. Diese These stellte schon der Medienwissenschaftler Marshall McLuhan in den 60er-Jahren auf. Der Leser eines Mediums suche heute nach dem schnellen Nutzen, nicht nach dem guten Argument. Lange Texte werden nur wenig goutiert: “Nach zwei, drei Seiten schweife ich ab, werde unruhig und verliere schließlich den Faden. Mein eigensinniges Gehirn wehrt sich gegen den Text”, beschreibt der Wissenschaftler Nicholas Carr seine Selbstbeobachtungen. Das Internet treibt diese Veränderung an.
Die starke Nutzung des Internets fördere eine punktuelle, zeitlich begrenzte Konzentration. “Der Verstand erwartet von mir, dass ich ihm Informationen auf die gleiche Weise zuführe wie das Internet”, berichtet Carr aus seinem Selbstversuch.
Filmregisseure sprechen von “Pfannkuchenmenschen”: “Das Denken wird breiter, aber dafür flacher.”
“Damit digital präsentierte Inhalte von ihren Adressaten überhaupt gefunden werden, wird die Google-Optimierung immer wichtiger. Ein Text muss künftig so aufgebaut sein, dass die Such-Algorithmen ihn finden und möglichst weit oben auf die Trefferliste setzen.”