Möglich, dass es den Punkrock ohne die jüdische Kultur gar nicht gegeben hätte. Diese These stellt Steven Lee Beeber auf. “Punk reflektiert die gesamte jüdische Geschichte von Unterdrückung und Unsicherheit, Flucht und Wanderschaft, Dazugehören und Nicht-Dazugehören,…” schreibt der US-amerikanische Autor in der Einleitung zu seinem Buch “Die Heebie-Jeebies im CBGB’s”.
Um das zu belegen führt er nicht irgendeine Punkband an, sondern bedient sich gleich bei den Urvätern der Drei-Akkorde-Musik – den Ramones. Die, so Beeber, stammten alle aus Forest Hills, einem mehrheitlich jüdischen Viertel New Yorks, die Eltern des Schlagzeugers Tommy Ramone waren einst als Holocaust-Flüchtlinge in die USA eingewandert.
Soll heißen: Eine Bewegung, die sich auf die Fahnen geschrieben hatte, mit allen Traditionen zu brechen, erst Recht mit religiösen Normen und Werten, ist ohne selbige gar nicht denkbar. So erklärt Beeber auch die häufige Verwendung nationalsozialistisch geprägter Motive im Punk, etwa im Titel “Blitzkrieg Bob” der Ramones.
“Der Weltverdunkelung des Faschismus begegnen die Ramones auf ihre eigene Weise. In dem Song ‘Today your love-Tomorrow the World’, einer Verballhornung von ‘Am deutschen Wesen soll die ganze Welt genesen’, zählen sie neben blindem Nazigehorsam andere für sie bedeutsame Regeln auf, von ‘Be nice to Mommy’, über ‘Don’t talk to Commies’, bis zu ‘Eat Kosher Salami’, berichtet die “taz” über Beebers Theorie.
Nicht nur die Biografie der Ramones, auch die von Lou Reed, die der Dictators, des New Yorker Duos Suicide, von Richard Hell, oder von Lenny Kaye, dem Gitarristen der Patti-Smith-Band diskutiere er ausführlich. “Man kann diese Musiker nicht gänzlich verstehen, ohne den jüdischen Anteil in ihrem Werk zu untersuchen”, so Beeber.
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