Ethik spielt in den Finanz-Unternehmen eine zunehmende Rolle. Besonders angesichts der aktuellen Krise wird ethisches Verhalten in den kommenden drei Jahren wichtiger, sagt eine Umfrage voraus.
Besonders Schweizer (75 Prozent) und deutsche Unternehmen (65 Prozent) erkennen eine zunehmende Orientierung des Sektors an Werten abseits von bloßem Gewinnstreben.
Das wollen die Beratergruppe Neuwaldegg und das Meinungsforschungsinstitut OGM herausgefunden haben, berichtet “Pressetext“.
Angeblich waren Führungsethik und “Corporate Social Responsibility” bereits vor der Eskalation an den Finanzmärkten eines der wichtigsten Besetzungskriterien für Top-Positionen. Das sagen jedenfalls 72 Prozent der Finanzleute. Die Finanzkrise könnte diese Tendenz noch verstärken.
Knapp 80 Prozent der Führungskräfte in Deutschland, Österreich und Schweiz sehen im Kontext von Internationalisierung und Globalisierung einen Bedarf an der Orientierung an Werten, um erfolgreich zu sein. Ein Drittel der Betriebe biete sogar Kurse an, um die Mitarbeiter in Unternehmensethik zu unterrichten.
Die Evangelistin und Buchautorin Cindy Jacobs hatte im Januar dieses Jahres bei einem Worship-Gottesdienst einen Eindruck von Gott. Ihr war, als wolle Gott ihr sagen, die Christen sollten für die Wirtschaft des Landes beten. “Cindy, das, was Amerika bestimmt, liegt nicht in Washington, DC, sondern in New York City. Ruf mein Volk, dass sie für die Wirtschaft beten.” Am 29. Oktober (also vergangenen Mittwoch) sollte also ein Gebetstag für die Weltwirtschaft stattfinden. Mehrere Christen versammelten sich auf der Wallstreet, beteten und sangen. Für unbeteiligte Beobachter sah es so aus, als würden die Leute “um das goldene Kalb” tanzen wie in 2.Mose 32. Viele Blogger posteten Fotos und “empören sich”, dass dort das Goldene Kalb angebetet wurde…
Die Webseite zur bekannten christlichen Sendung “700 Club” mit dem Evangelisten Pat Robertson berichtet davon, dass Jacobs den Eindruck hatte, für den 29. Oktober einen Tag des Gebets für die Wirtschaft auszurufen zu müssen. Und zwar ein dringendes Gebet. “Wir brauchen P.U.S.H.”, so Jacobs, die Abkürzung steht für “pray until something happens”.
Gott sagte ihr weiter: “Der 29 Oktober war der Schwarze Dienstag, an diesem Tag im Jahr 1929 brachen die Börsenkurse ein, und Satan will dies erneut veranlassen.” Viele Analysten glauben, dass die weltweite Wirtschaftslage 2009 schlechter sein könnte als 2008.
So trafen sich vergangenen Mittwoch, am 29. Oktober, Menschen vor der New Yorker Börse und vor den 12 Zweigstellen der Bundesbank in ganz Amerika und beteten. “Wir werden vor die Statue des Bullen auf der Wall Street gehen und Gott bitten, den ‘Bullen-und-Bären’-Markt in einen ‘Löwen’-Markt zu verwandeln, und dass Gott die Kontrolle über das Wirtschaftssystem ergreift”, hieß es im Aufruf.
Cindy rief ebenfalls dazu auf, dass jeder Christ weltweit für das Bankensystem seines Landes betet. “Jeder von uns hat eine Rolle zu erfüllen, und wir sollten nicht glauben, Gott würde uns ununterbrochen segnen, wenn wir uns nicht mit den Dingen in unserem persönlichen Leben beschäftigen, die falsch laufen. Wir müssen jede falsche Verwendung von Geld bereuen und ab sofort nachdenken, bevor wir Geld ausgeben, vielleicht erst Schulden abbezahlen und so weiter. Wir müssen Gott erlauben, für uns eine Kurskorrektur durchzuführen.”
Das Satireblog “Wonkette” postete ein paar Fotos von dem Gebetstreffen. Zu sehen sind Menschen, die auf der Wall Street beten, manche legen auch ihre Hände auf die Bronze-Statuen von Bulle und Bär. Einer bläst in ein Widderhorn. Auf dem Video sind einige zu sehen, wie sie “God bless America” singen.
Die Autoren von “Wonkette” schrieben spöttisch über den Aufruf von Jacobs: “Wissen die nicht, dass, wenn Gott das Wirtschaftssystem übernehmen würde, es ein Sozialismus aus dem All wäre? Außerdem würde Gott wohl wütend werden, dass sie eine Bronze-Statue anbeten, wo doch sein zweites Gebot genau das verbietet. (…) Sie bitten Gott, dass er die Wirtschaft verstaatlicht unter dem Staat im Himmel, damit sie wieder ihre Porno-Abos bezahlen und ein paar weitere Monate Dildos bezahlen können.”